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Über die Bega. Cartoon-Kartographierung

 

Über die Bega vom Rathaus Lemgo zum Schloss Brake: Wo beginnt die Fremde? Ist Brake Ausland? Wann waren Sie zuletzt im Schloss?

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Der Lindolmer Quadrant

1955 erwarb das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum auf Schloss Gottorf von der Kirchengemeinde des nordfriesischen Dorfes Lindholm für 170,- DM einen großen, hölzernen Quadranten, der zuletzt in der dortigen St. Michaels-Kirche als Huthalter benutzt worden war. Laut einer Inschrift hatte 1744 ein gewisser Albert Parensen das Gerät zuletzt »renovirt«. Einer Überlieferung nach stammt der Quadrant aus dem Besitz des Pastors Albert Meyer (1553 – 1603). Passend dazu weisen Bauart und Ausstattung des Instrumentes auf eine Entstehungszeit in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts hin.

Dass sich ein Pastor des 16. Jahrhundert für Astronomie interessierte, stellte nicht Ungewöhnliches dar. In den protestantischen Ländern zu jener Zeit wurde auf eine breite, humanistisch-aufgeklärte Ausbildung der Geistlichen großen Wert legte, damit diese für die Verbreitung des Reformationsgedankens ein solides geistiges Fundament mit auf den Weg bekamen.

Neben astronomisch-astrologischen Studien beschäftigte sich Meyer auch mit Grönland, damals ein weißer Fleck auf dem Globus, obwohl das Land bereits 987 durch Erik den Roten entdeckt und später auch besiedelt worden war. Um 1400 waren die Kontakte zwischen Europa und Grönland wieder abgerissen. König Friedrich II. von Dänemark gab 1568 eine Proklamation heraus, in der er seinen Anspruch auf Grönland erklärte. Eine Expeditionsreise (mit feierlicher Übergabe der Proklamation auf Grönland) kam nicht zustande, da der König seine Schiffe für Operationen gegen die Schweden benötigte.

1580 stellte Meyer, der inzwischen in Gelehrtenkreisen den Ruf eines Grönlandexperten besaß, für den Gottorfer Hof eine 20-seitige Handschrift über Grönland zusammen. Darunter befanden sich auch zwei Segelanweisungen nach Grönland. 1584 plante er zusammen mit Arnt Meier und dem Antwerpener Kaufmann Oliver Brunel in Bergen ein Schiff für eine Grönlandfahrt ausrüsten. Die Reise kam dann ohne Meyer zustande, der in Lindholm blieb.

1592 plante der dänische Reichsrat erneut eine Grönlandexpedition. Der bereits 64-jährige Meyer richtete über den dänischen Statthalter der Herzogtümer Schleswig und Holstein, Heinrich Rantzau, die Bitte an den König, die Leitung der Expedition zu übernehmen und ihn zum geistlichen und weltlichen Statthalter über Grönland zu machen. Die hochfliegenden Pläne des nordfriesischen Gemeindehirten wurden niemals Wirklichkeit. Meyer blieb in Lindholm, wo er 1603 an der Pest starb.

Der Lindholmer Quadrant ist aus Eichenholz gearbeitet. Der Radius seiner Gradskala beträgt 2,11 Meter. Die einfache Konstruktion, die sorgfältig nummerierten Verbindungsstellen und die leicht zu lösenden Holznägel lassen den Schluss zu, dass der Quadrant tatsächlich als ein zerlegbares Expeditionsinstrument gedacht war. An Ort und Stelle ließe er sich schnell nach seinen Nummern zusammenstecken und aufbauen. Das Gerät hätte zur Messung der Mittagssonnenhöhe benutzt werden können, um hieraus den Breitengrad des Beobachterstandortes zu berechnen. Auch der etwas unfertige Zustand des Quadranten erklärt sich, wenn man das Gerät mit der erhofften Grönlandexpedition Albert Meyers in Verbindung bringt. Da die Reise nie zustande kam, verlor Meyer auch das Interesse an der Vollendung des Gerätes.

Die Abbildung zeigt, wie der Quadrant wohl benutzt worden wäre, wenn sich Albert Meyers Plan einer Grönlandexpedition verwirklicht hätte. Auf der Zeichnung sind Meyer und sein Assistent dabei, die Höhe der Sonne zu messen. Natürlich ist diese Zeichnung Phantasie - sie ist als Würdigung desjenigen Mannes gedacht, dessen kühnem Vorhaben wir heute den letzten erhaltenen, großen Holzquadranten der Renaissance verdanken.

Dr. habil. Felix Lühning (Leitung Archenhold-Sternwarte, Berlin)

Schiffsrouten des 19. Jahrhunderts


Im 19. Jahrhundert wurden besonders von Westafrika viele Menschen als Sklaven in die USA gebracht. Handelsgüter kamen vor allem aus Großbritannien. Von Asien gab es nur wenig Schiffsverkehr in Richtung Europa und den USA.

landkartenindex.blogspot.com

Was will denn Mercator mit seinem Äquator?

He had bought a large map representing the sea,
Without the least vestige of land:
And the crew were much pleased when they found it to be
A map they could all understand.
‘What’s the good of Mercator’s North Poles and Equators,
Tropics, Zones, and Meridian Lines?’
So the Bellman would cry: and the crew would reply,
‘They are merely conventional signs!’
‘Other maps are such shapes, with their islands and capes!
But we’ve got our brave Captain to thank’
(So the crew would protest) ‘that he’s bought us the best—
A perfect and absolute blank!’

Lewis Carroll, The Hunting of the Snark: An Agony in Eight Fits
London: Macmillan, 1876, S. 15-16

Omnes Viae: Römischer Routenplaner


Link zum Routenplaner omnesviae.org

Wie lang ist ein Längengrad?

Diese Frage war im 18. Jahrhundert Gegenstand heftiger Diskussionen. Isaak Newton und einige Mitglieder der Französischen Akademie der Wissenschaften vertraten die Ansicht, dass sich der Krümmungsradius der Erde aufgrund der Rotation ändere. Demnach sei sie an den Polen abgeflacht und am Äquator etwas ausgebeult. Zur Beantwortung wurden seitens der Akademie 1735 zwei Expeditionen ausgesandt, die durch exakte Messungen in Äquator- und in Polnähe das beschriebene Phänomen nachweisen sollten.

Die Ergebnisse der Triangulationen wurden in Karten dargestellt, so auch in der »Carte de la Meridiene mesurée au Royaume de Quito«, die auf Jorge Juan und Antonio Ulloa zurückgeht. Die Autoren verwenden dabei eine 5-zeilige Maßstabsleiste, einen Transversalmaßstab. Dieser eignet sich vornehmlich zum präzisen Messen oder Abtragen eines Längenmaßes mit einem Stechzirkel. Der meist 5- oder 10-zeiligen Maßstabsleiste wird eine weitere Einheit vorangestellt, in der mit einer Diagonalen die parallelen Linien transversal gekreuzt werden, was eine Feineinteilung mit hoher Ablesegenauigkeit erlaubt.

Das in der Kartenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin vorhandene Exemplar dieser Karte mit der Signatur Kart. R 18750 zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Einerseits handelt es sich um eine handgezeichnete Kopie einer bereits 1752 im Druck erschienenen Karte, die nach den Besitzstempeln zu urteilen zwischen 1859 und 1880 in den Bestand der Kartenabteilung gekommen ist. Andererseits zeigt die Karte als weitere Eigenheit in den 5-zeiligen Transversalmaßstab mit Bleistift eingetragene Notenwerte. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich um die ersten Takte des Dessauer Marsches in der Schreibweise im 2/4-Takt. Dieser Marsch aus dem frühen 18. Jahrhundert ist der Präsentiermarsch des Infanterie-Regiments Fürst Leopold von Anhalt-Dessau Nr. 26. Dieser populäre preußische General ist bis heute unter seinem Spitznamen »Der alte Dessauer« bekannt.

Wie kommt nun die Notation einer bekannten Melodie in diese Karte? Mit ein wenig Phantasie kann man sich in das Alltagsleben des damaligen Kartenkurators, der sowohl mit musischen wie humoristischen Qualitäten begabt war, hineinversetzen. Am offenen Fenster des Kartensaales in der Königlichen Bibliothek am Opernplatz sitzend hört er während der gewissenhaften bibliothekarischen Bearbeitung der vorliegenden Karte das klingende Spiel vorüberziehen und fängt sich dabei den Ohrwurm ein. Um diesen zu bannen, trägt er in die vor ihm liegende 5-zeilige Maßstabsleiste die Melodie in akkurater Notenschrift mit dienstlich vorgeschriebenem Bleistift ein. Der bekannten Melodie ist ein Text unterlegt, der unter der Nr. 756 bereits 1858 als Spottlied Eingang in die erste Auflage des Allgemeinen Deutschen Kommersbuches gefunden hat. Die Anfangszeile »So leben wir alle Tage« hat der unbekannte Kartenkurator ebenfalls aufgeschrieben. Möchte er uns damit seinen Lebenswandel andeuten?

Dipl.-Geogr. Wolfgang Crom (Staatsbibliothek zu Berlin, Leiter Kartenabteilung)

Männer, die Probleme lösen – Bonanza und die brennende Karte

Einst war sie die wohl berühmteste Karte der Welt: the „Map to illustrate the Ponderosa in Nevada“. Jahrelang erschien sie auf den Fernsehbildschirmen am Beginn des Vorspanns einer der bekanntesten und mit über 430 Episoden längsten Western-Serien der Welt: Bonanza (USA 1959 bis 1973). Die Serie war in den USA so beliebt, dass es Präsident Lyndon B. Johnson vermied, wichtige Nachrichten an die Nation während des Ausstrahlungstermins um 9 Uhr am Sonntagabend verlautbaren zu lassen. Andere Überlieferungen wissen, dass er selbst die Serie nicht verpassen wollte. Auch in der Bundesrepublik – insgesamt wurde sie in über 100 Länder verkauft – lief die Serie sonntags, 18.10 Uhr, in der überschaubaren Zwei-Programm-Fernsehlandschaft der 1960er- und 1970er-Jahre im ZDF; lediglich die ersten Episoden, die in der BRD zu sehen waren, wurden ab 1962 von der ARD ausgestrahlt.

Bonanza führt in die mitunter raue Welt der 1860er Jahre im westlichen Nevada, an der Grenze zu Kalifornien, und erzählt in überschaubarer Weise von den Geschicken und Erlebnissen der Cartwrights, dem  alleinerziehenden Vater Ben Cartwright (Lorne Greene) und seinen Söhnen Hoss (Dan Blocker), Little Joe (Michael Landon), Adam (Pernell Roberts, bis 1965) und natürlich Hop Sing (Victor Sen Yung), dem chinesischen Koch der Familie. Es ist eine patriarchale Welt, in der Frauen nur am Rande vorkommen. Auch die drei Mütter der Söhne waren dafür früh verstorben. Männer machen Probleme, die Cartwrights-Männer mit ihren klaren Maßstäben von Moral, Gerechtigkeit, Ordnung und Anstand lösen sie, meist auf gewaltkritische Weise.

Die von Robert Temple Ayres, einem Mitarbeiter der Produktionsfirma, gemalte und illustrierte Karte gibt einen Überblick über Zeit und Umstände der Ereignisse, wobei sie nur für etwa sieben Sekunden zu sehen ist: Denn kaum erschienen, fängt sie von innen nach außen zu brennen an und gibt den Blick frei auf die örtlichen Troubleshooter und Helden der Serie, die man ruft, wenn es brennt: In der schönen Landschaft am Lake Tahoe mit ihren grünen Wiesen, den Gelb-Kiefern (Pinus ponderosa) und der schneebedeckten Carson Range, einem Gebirgsvorsprung der Sierra Nevada, reiten die Cartwrights heran, sichere Garanten für ein gutes Ende einer jeden Geschichte. Zusammen mit der eingängigen Titelmusik, komponiert von Ray Evans und Jay Livingston, wurde der Vorspann eine Art Markenzeichen der Serie.

Die nicht genordete Karte zeigt Lage und Ausmaße der Ponderosa Ranch: östlich des Lake Tahoe, zwischen dem Truckee River im Norden und dem Carson River im Süden, westlich der Ansiedlungen Reno, Virginia City und Carson City. Legt man die Größenordnung der fiktiven Ponderosa-Ranch, zu Grunde, sind die Cartwrights Großgrundbesitzer. Serienexperten haben sich auf eine Ranch-Größe von etwa 600 km² geeinigt, wobei in den Episoden verschiedene, aber deutlich höhere Angaben gemacht werden.

Die Karte gibt Hinweise auf die Vegetation, zeigt im Umfeld der Städte industrielle Anlagen. Ein Goldwäscher hockt am Fluss, ein Mann mit Spitzhacke sucht im Fels. Einige Wege führen durch die Landschaft, verbinden Ortschaften und Ansiedlungen. Auch Anhaltspunkte zur Datierung stellt die Karte zur Verfügung. Der große See im Westen hieß bis 1862 Lake Bigler, erhielt dann den Namen Tahoe, wobei beide Bezeichnungen bis Mitte des 20. Jahrhunderts parallel genutzt wurden. Das Auftreten der Postkutsche auf dem Weg nach Carson City verbunden mit dem Fehlen von Eisenbahnlinien verweist auf eine Zeit vor 1867, als die Central Pacifc Railroad an Reno vorbeigeführt wurde. Der Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahnverbindung begann 1863 und endete 1869. Kurz darauf wurde auch eine Eisenbahnlinie zwischen Virginia City und Carson City, Virginia & Truckee Railroad, gebaut. Auch sie taucht auf der Karte noch nicht auf.

Aber noch etwas anderes erzählt der Kartenvorspann: Von Virginia City aus, wo die Karte Schießereien verzeichnet, wird erst der Schriftzug BONANZA größer werdend eingeblendet und dann die Karte durch ein Feuer vernichtet. Bonanza, ein englisches Wort mit spanischem Ursprung, bedeutet soviel wie Goldgrube, Glücksfall, ein unerwartet hoher Gewinn. Damit spielen Titel und Animation auf die Entdeckung und Ausbeutung der Comstock Lode an, einer großen Erzlagerstätte, die einen hohen Silberanteil und auch Gold enthielt, und 1859 unter Virginia City gefunden worden war. Die Entdeckung löste einen Silber- und Goldrausch aus. Stadt und Bevölkerung wuchsen rasch und damit auch die begleitenden Gewerbe. 100 Saloons und zahlreiche Bordelle soll es in den 1860ern und 1870ern gegeben haben. Mark Twain, selbst Bewohner der Gegend, weiß davon in „Roughing it“ (1872; dt. Durch dick und dünn) zu berichten. Dass von Virginia City also nicht nur wirtschaftliche Prosperität, sondern auch Verbrechen und Unmoral ausgehen, auch das wird im Vorspann sichtbar. Das deutlich kleinere und beschaulichere Carson City entwickelte sich vom kleinen Handelsposten zum Verwaltungszentrum und wurde 1864 Hauptstadt des neu gegründeten Bundesstaates Nevada.

Eine andere Geschichte, wie sie nicht selten in früheren Kartendarstellungen von gefährlichen Gegenden zu finden ist, spart die Karte jedoch aus. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wussten Mitglieder der am Lake Tahoe ansässigen indigenen Bevölkerungsgruppen der Washoe und Paiute von einem krypto-zoologischen Seeungeheuer zu berichten, das seitdem wiederholt gesehen worden sein soll und in Anlehnung an das Ungeheuer von Loch Ness Tessie genannt wurde. Doch darüber schweigen sowohl Karte als auch Serie.

Matthias Struch M.A. (Filmmuseum Potsdam)

Japanisches Meer und/oder Ostmeer?

2004 druckte der Kölner Kartenverlag Kober-Kümmerley+Frei eine Weltkarte, auf der das Meer zwischen Japan und Korea als »Ostmeer/Japanisches Meer« bezeichnet wurde. Nach Intervention der japanischen Botschaft nahm der Verlag Abstand von der Veröffentlichung. In der aktuellen Version der Karte wird die Ortsbezeichnung »Japanisches Meer (Ostmeer)« verwendet.

Die politische Dimension des Namensstreits liegt darin begründet, dass Korea 1905-45 eine japanische Kolonie war und somit keinen Einspruch erheben konnte gegen den Beschluss der Internationalen Hydrographischen Organisation IHO von 1929, das Gewässer offiziell als »Japanisches Meer« zu bezeichnen. Japan verweist darauf, dass die europäischen Karten des 19. Jahrhunderts, auch vor der Öffnung Japans 1854, überwiegend die Bezeichnung »Japanisches Meer« trugen. Beide Seiten unterstützen ihre jeweilige Argumentation durch Untersuchungen historischer Karten u.a. aus der British Library, der US Library of Congress und der Bibliothèque National de France.

Nach einer technischen Resolution der IHO von 1974 sind bei umstrittenen geographischen Bezeichnungen beide Namen simultan/gleichzeitig zu verwenden. Die 3. UN Konferenz zur Standardisierung von geographischen Namen (UNSCGN) empfiehlt 1977 in einer Resolution: »Wenn sich Staaten eine geographische Einheit teilen und sich nicht auf einen gemeinsamen Namen einigen können, sollte es eine generelle Regel in der Kartographie sein, beide Namen zu akzeptieren. Nur einen Namen zu nehmen und den anderen auszuschließen wäre in der Praxis inkonsequent und unpraktisch.«

Rolf Schönlau M.A. (Weserrenaissance-Museum Schloss Brake)

Weltenschöpfer – Weltvermesser

Mit Hilfe eines Zirkels verleiht Gott der gestaltlosen Urmaterie die vollkommene Kreisform. Die berühmte, um 1220/30 entstandene Miniatur aus der Bible Moralisée veranschaulicht, dass die Schöpfung der Welt auf Vermessung beruht. Eine Quelle dieser im Mittelalter verbreiteten Vorstellung ist ein apokrypher Text des Alten Testaments, das Buch der Weisheit Salomos (11, 20). Dort heißt es, der Weltenschöpfer habe alles »nach Maß, Zahl und Gewicht« angeordnet.

Auf diese Weise geadelt, gilt der Zirkel als vornehmstes aller Handwerkszeuge, da er den Beginn jeder Art von Gestaltung markiert. In der Bildniskunst wird er deshalb zum Erkennungszeichen der Baumeister. Doch zugleich steht er für die Naturwissenschaften, die das Geheimnis der göttlichen Schöpfung messend entschlüsseln und nachvollziehen wollen. Er ist ein Attribut der Gelehrten sowie der Personifikationen von Geometrie und Astronomie.

Bereits Augustinus hatte die menschliche Neugier als Sünde verunglimpft. Auch die Humanisten griffen die Naturwissenschaften an, da sie für die moralische Vervollkommnung des Menschen unnütz seien. So nimmt Sebastian Brand 1494 in seinem »Narrenschiff« die Geographie aufs Korn. Im Kapitel »Von Erforschung aller Länder« warnt er: »Wer ausmisst Himmel, Erd und Meer und darin sucht Lust, Freud und Lehr, der seh, dass er den Narren wehr.« Der zugehörige Holzschnitt greift die Pose des Schöpfergottes mit Zirkel auf und betont so das Blasphemische des menschlichen Forscherdranges.

1595 erschien Gerhard Mercators »Atlas« als erste Kartensammlung in Buchform unter dieser bis heute üblichen Bezeichnung. Auf dem Titelblatt misst ein bärtiger Riese mit dem Zirkel Himmels- und Erdglobus aus. In der Vorrede erklärt Mercator, dass es sich nicht um den Titanen Atlas handeln würde, der in der griechischen Mythologie das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt. Stattdessen sei ein mythischer mauretanischer König gleichen Namens gemeint, über den der antike Autor Diodor schrieb: »Vom Lauf der Gestirne hatte er genaue Kenntnisse; er war der Erste, welcher die Menschen den Himmel als eine Kugel betrachten lehrte. Darum hieß es, die ganze Welt ruhe auf den Schultern des Atlas«. Der wie im Schaffensrausch dargestellte König Atlas erinnert wie im »Narrenschiff« an den Weltenschöpfer aus der Bible Moralisée. Doch ist das Motiv hier positiv gewendet, indem Geographie und Astronomie als kreative Leistungen gewürdigt werden. Die menschliche Neugier wird rehabilitiert.

Dr. Michael Bischoff (Weserrenaissance-Museum Schloss Brake)

Riesengloben

Riesengloben

Der Gottorfer Globus entstand zwischen 1650 und 1664 am Hofe Herzog Friedrichs III. in Gottorf. Er besaß einen Durchmesser von über 3 m und rotierte um eine feststehende Achse, an die eine ringförmige Sitzbank für 10 Personen angebracht war. Das Globusinnere zeigte den bewegten Sternenhimmel und den Sonnenlauf, wie sie von Gottorf aus zu sehen waren. Der Globus wurde 1713 von Zar Peter dem Großen nach St. Petersburg gebracht, wo er sich noch heute befindet. In Gottorf gibt es seit 2005 den Nachbau dieses astronomischen Wunderwerks aus dem Barock.

Der Riesenglobus des englische Kartographen James Wyld wurde 1851 zeitgleich mit der Londoner Weltausstellung am Leicester Square in London aufgestellt und stand dort bis 1862. Wyld’s Great Globe besaß einen Durchmesser von über 18 m. Auf seiner Innenseite war die Erdoberfläche maßstabsgetreu, die Erhebungen mit dreifacher Überhöhung nachgebildet. Die Besucher konnten den Globus über vier Galerien besteigen.

Eartha, der weltweit größte drehbare Globus mit einem Durchmesser von über 12 m, befindet sich in Yarmouth, Maine (USA). Er wurde 1998 von einem Kartenverlag in einem Glaspavillon aufgestellt und ist nachts beleuchtet. Besucher können den Riesenglobus, der sich in 18 Minuten einmal um die eigene Achse dreht, vom Boden und von zwei Balkonen aus betrachten. Wie bei den meisten Globen ist die Rotationsachse um 23,5° gegen die Senkrechte geneigt, um die Neigung der Erdachse gegen die Ekliptik darzustellen.

Rolf Schönlau M.A. (Weserrenaissance-Museum Schloss Brake)

Multiversum 1742 –
das Frontispiz zu Johann Gabriel Doppelmayrs Sternenatlas

Homann Doppelmayr Euler

Über die Möglichkeit einer »Vielheit der Welten« wurde um 1700 lebhaft diskutiert. Die Auflösung der Sonderstellung der Erde im All hatte neue Wege geebnet. Wenn das Leben nicht mehr zwangsweise in der Weltmitte sein muss, sondern sich um die Sonne auf einem Planeten unter anderen bewegt – dann könnten doch auch andere Planeten Leben tragen. Das fanden nicht nur Anhänger der Newtonschen Physik, sondern auch solche des Descartes.

Der große Kupferstich zum Titelblatt des berühmten, 1742 erschienenen »Atlas coelestis« von Johann Gabriel Doppelmayr aus Nürnberg zeigt dies in einer künstlerisch gestalteten Weise: Claudius Ptolemäus, Nicolaus Copernicus, Johannes Kepler und Tycho Brahe stehen vor einer Landschaft mit Palmen, zwischen ihnen ein großer Himmelsglobus. Copernicus hält Ptolemäus am Arm, als wolle er ihn auf sein Weltsystem aufmerksam machen, das über ihnen am Himmel steht und auf das er mit erhobener linker Hand hinweist. Kepler scheint mit Brahe zu diskutieren, während letzterer etwas abweisend steht, zeigt Kepler auf Copernicus.

Am Himmel, eingerahmt von Wolkenbändern und gehalten von zwei Putten, ist das heliozentrische Weltsystem zu sehen. Die Welt ist durchflutet von Sonnenstrahlen, die Planeten werfen kleine Schattenkegel hinter sich. Erde, Jupiter und Saturn haben ihre Monde, dazu bewegt sich ein Komet elliptisch um die Sonne.

Doch das Planetensystem der Sonne steht nicht allein. Es ist umgeben von einer »Vielheit der Welten«, Sterne mit drei bis sieben Planeten, die genau wie die Sonnenplaneten ihren Schatten hinter sich werfen. Werden manche von ihnen Lebewesen tragen? Wahrscheinlich schon, denn wofür sollte Gott sie alle geschaffen haben – der doch nichts umsonst erschafft?

Es ist interessant, dass der himmlische Teil von Doppelmayrs Bild nur zwei Jahre später wieder auftaucht – bis in kleine Details nachgestaltet – als Titelkupfer für Leonhard Eulers »Theoria motuum planetarum et cometarum«, Berlin 1744.

Dr. Jürgen Hamel (Archenhold-Sternwarte Berlin)

Google Street View anno 1978

Die Aspen Movie Map war ein Multimediasystem, das 1978 von Andrew Lipman am MIT entwickelt wurde. Sie ermöglichte eine virtuelle Tour durch die Stadt Aspen, Colorado. Die Straßen wurden mit Hilfe von vier Videokameras, die auf einen Lastwagen montiert waren, aus verschiedenen Winkeln aufgenommen. Das zusammengesetzte Bildmaterial ermöglichte dem Nutzer, zwischen mehreren vorher festgelegten Routen zu wählen und die Stadt zu durchfahren.

»Unser Norden ist der Süden!«

Text von Martin Grossmann

Martin Grossmann, Del Texto al Contexto in Errata #,  n. 5, agosto 2011, übersetzt von Natalia Petrillo, aus: ZiF-Mitteilungen 2/2014

»Was Deine Lieblings-Kartenprojektion über Dich aussagt«

Map Projection von Randall Munroe. Übersetzung: Rolf Schönlau
Lizenziert durch Creative Commons.

Map Projection von Randall Munroe

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